Kamin anzünden: von oben statt von unten

Langer Schürhaken mit Holzgriff zum Schichten im Kaminofen

Kurz vorweg: Große Scheite nach unten, dünnes Anmachholz nach oben, ein bis zwei Anzünder obendrauf — und dort anzünden. Die Flamme brennt langsam nach unten, die Holzgase müssen durch sie hindurch und verbrennen mit. Ergebnis: weniger Rauch, weniger Ruß auf der Scheibe, mehr Wärme aus derselben Menge Holz.

Die meisten legen Anzünder nach unten, Holz darüber, und zünden unten an. Das ist die Art, wie man es gelernt hat — und sie ist die schlechtere.

Warum von oben besser ist

Beim Anzünden von unten steigt die Hitze sofort durch den ganzen Stapel. Das Holz darüber gast aus, bevor es brennt — und diese Gase ziehen unverbrannt in den Schornstein. Das ist der Qualm, den man draußen sieht, und der Ruß, der sich auf die Scheibe legt.

Zündet man oben an, brennt die Flamme langsam nach unten. Die Gase aus dem darunterliegenden Holz müssen durch die Flamme hindurch und verbrennen dabei mit.

Umweltbehörden und Schornsteinfeger empfehlen das Verfahren seit Jahren. Es kostet nichts außer der Umgewöhnung.

von unten von oben
Rauch in der Anbrennphase viel wenig
Ruß auf der Scheibe deutlich kaum
Anbrennzeit schneller heiß langsamer, dafür gleichmäßig
Feinstaub höher niedriger

So geht es

  1. Große Scheite nach unten, mit etwas Abstand nebeneinander. Rinde nach unten, Schnittfläche nach oben.
  2. Darüber eine Lage kleinerer Scheite, quer zur ersten.
  3. Ganz oben dünnes Anmachholz — daumendicke Stücke, kreuzweise, damit Luft dazwischen bleibt.
  4. Ein bis zwei Anzünder obendrauf, nicht dazwischen.
  5. Anzünden und die Tür einen Spalt offen lassen, bis es brennt. Dann schließen.

Der ganze Stapel sollte höchstens die Hälfte bis zwei Drittel des Brennraums füllen. Wer ihn vollstopft, bekommt keine Luft mehr durch.

Mit einem Kaminstreichholz von 10 cm kommt man an die Anzünder heran, ohne mit der Hand in den Ofen zu greifen. Ein Stabfeuerzeug tut es auch.

Wie viele Anzünder wirklich

Bei Holzwolle mit Wachs reicht in der Regel ein Stück, bei kleineren Würfeln zwei. Wer regelmäßig drei oder mehr braucht, sollte nicht mehr Anzünder kaufen, sondern die Ursache suchen:

  • Zu feuchtes Holz. Über 20 Prozent Restfeuchte geht ein erheblicher Teil der Energie ins Verdampfen.
  • Zu dickes Anmachholz. Daumendick, nicht armdick.
  • Zu wenig Luft. Beim Anzünden gehören alle Regler auf.
  • Kalter Schornstein. Bei einem Außenkamin im Frost braucht der Zug ein paar Minuten, bis er anspringt.

Was ein Anzündvorgang je nach Produkt kostet, steht in Kaminanzünder im Vergleich — die Spanne reicht von 8 Cent bis 1,50 €.

Luft richtig einstellen

  • Beim Anzünden viel Luft. Primär- und Sekundärluft offen.
  • Wenn es brennt, Primärluft zurück. Die Verbrennung läuft dann über die Sekundärluft, die das Glas frei hält.
  • Niemals ganz zudrehen, solange Flammen da sind. Bei Sauerstoffmangel entsteht Kohlenmonoxid und der Ofen rußt zu.

Die genaue Bedienung unterscheidet sich je nach Ofen — die Anleitung des Herstellers geht vor. Was die einzelnen Regler bewirken, steht in Primär-, Sekundär- und Tertiärluft.

Womit anzünden

Holzwolle mit Wachs oder Anzündwürfel. Beide brennen lange genug, um dickeres Holz zu entzünden. Für den Ofen im Wohnraum ist Holzwolle die bessere Wahl, weil Paraffinwürfel beim Anzünden riechen.

Zeitungspapier ist die schlechteste Wahl: Es brennt zu schnell ab, hinterlässt Flugasche, und die Druckfarben gehören nicht in den Ofen.

Niemals mit Spiritus, Benzin oder Grillanzünder-Flüssigkeit nachhelfen — auch nicht bei träger Glut. Das ist der Weg, auf dem Menschen im Krankenhaus landen.

Nachlegen, ohne alles zu verderben

Der beste Anzündvorgang nützt nichts, wenn danach falsch nachgelegt wird. Zwei Regeln:

  • Auf Glut legen, nicht auf Flammen. Wenn nur noch ein Glutbett da ist und keine hohen Flammen mehr, ist der Moment richtig.
  • Kurz wieder Luft geben. Nach dem Nachlegen die Primärluft für ein paar Minuten öffnen, damit das neue Scheit schnell in Brand kommt und nicht schwelt.

Woran man merkt, dass es stimmt

Ein richtig geführtes Feuer erkennt man an drei Dingen: Die Scheibe bleibt klar, aus dem Schornstein kommt kaum sichtbarer Rauch (an kalten Tagen ist weißer Wasserdampf normal), und die Flammen sind hell und ruhig, nicht dunkelorange und träge.

Wird die Scheibe trotzdem schwarz, liegt es meist an feuchtem Holz oder zu wenig Luft — die Ursachen stehen in Warum rußt meine Kaminscheibe?

Kurz zusammengefasst

  • Große Scheite unten, Anmachholz und Anzünder oben.
  • Ein bis zwei Anzünder genügen — mehr deutet auf feuchtes Holz oder zu wenig Luft.
  • Brennraum höchstens zu zwei Dritteln füllen.
  • Luft beim Anzünden auf, später Primärluft zurück, aber nie ganz zu.
  • Nachlegen auf Glut, nicht auf Flammen.
  • Kein Papier, keine Flüssigkeiten.

Was danach zur Hand sein sollte: ein Kaminbesteck zum Schüren und ein Holzkorb für den Nachschub. Welche Teile man wirklich braucht, steht in Welches Kaminbesteck brauche ich wirklich?

Häufige Fragen

Warum soll man den Kamin von oben anzünden?

Die Flamme brennt langsam nach unten, die Holzgase aus den unteren Scheiten müssen durch sie hindurch und verbrennen mit. Das ergibt weniger Rauch, weniger Ruß auf der Scheibe und mehr Wärme aus derselben Menge Holz.

Wie viele Anzünder braucht man?

Bei Holzwolle mit Wachs in der Regel einer, bei kleineren Würfeln zwei. Braucht man regelmäßig drei oder mehr, liegt es meist an zu feuchtem Holz, zu dickem Anmachholz oder zu wenig Luft.

Soll die Ofentür beim Anzünden offen bleiben?

Einen Spalt, bis das Feuer brennt — das gibt zusätzliche Luft in der Anbrennphase. Danach schließen. Ganz offen lassen sollte man sie nicht.

Wann legt man Holz nach?

Wenn nur noch ein Glutbett da ist und keine hohen Flammen mehr. Danach die Primärluft für ein paar Minuten öffnen, damit das neue Scheit schnell brennt statt zu schwelen.

Darf man mit Spiritus nachhelfen?

Nein, unter keinen Umständen — auch nicht bei träger Glut. Es besteht Verpuffungsgefahr, und die häufigste Folge sind Verbrennungen im Gesicht.