Kurz vorweg: Primärluft kommt von unten durch den Rost und dient nur zum Anzünden — nach 10 bis 15 Minuten wird sie geschlossen. Sekundärluft strömt oben an der Scheibe herunter, hält das Glas frei und ist die Hauptluft im Betrieb; sie wird nie ganz zugedreht. Tertiärluft sorgt hinten für die Nachverbrennung und ist meist fest eingestellt.
An den meisten Kaminöfen sitzen zwei oder drei Schieber, oft ohne Beschriftung. Wer nicht weiß, was sie tun, lässt sie stehen — und heizt dadurch schlechter, als der Ofen könnte.
Die drei Luftströme auf einen Blick
| Wo | Wofür | Im Betrieb | |
| Primär | unten, durch den Rost | Anzünden | geschlossen |
| Sekundär | oben, an der Scheibe | Hauptverbrennung, Scheibenspülung | offen, nie ganz zu |
| Tertiär | hinten im Brennraum | Nachverbrennung der Restgase | meist fest eingestellt |
Primärluft
Wo: unten, meist unter der Feuerraumtür. Die Luft strömt von unten durch den Rost in die Glut.
Wofür: zum Anzünden. Sie bringt Sauerstoff direkt an das brennende Material und lässt das Feuer schnell hochkommen.
Wichtig: Nach dem Anzünden wird die Primärluft geschlossen — typischerweise nach zehn bis fünfzehn Minuten, sobald das Holz durchgehend brennt. Bleibt sie offen, brennt das Holz zu schnell ab, die Wärme geht durch den Schornstein, und der Ofen kann überhitzen. Dauerhaft offen bleibt sie nur bei Kaminöfen mit Kohle.
Sekundärluft
Wo: oben, meist ein breiter Schieber über der Tür.
Wofür: Das ist die Hauptluft im laufenden Betrieb. Sie wird oberhalb der Scheibe eingeleitet und strömt innen daran herunter — deshalb heißt sie auch Scheibenspülung. Sie hält das Glas frei und liefert gleichzeitig den Sauerstoff für die Verbrennung der Holzgase.
Über diesen Regler steuern Sie das Feuer, nachdem es angezündet ist. Er sollte nie ganz geschlossen werden — dann schwelt der Ofen, es rußt, und der Wirkungsgrad bricht ein.
Tertiärluft
Wo: im hinteren Bereich des Brennraums, oft gar nicht regelbar, sondern fest eingestellt.
Wofür: Nachverbrennung. Holzgase, die noch nicht verbrannt sind, bekommen im oberen Bereich noch einmal Sauerstoff. Das erhöht den Wirkungsgrad und senkt die Emissionen. Wenn Ihr Ofen dafür keinen Regler hat, ist das kein Mangel — viele moderne Öfen regeln das selbst.
Die Reihenfolge im Alltag
- Anzünden: Primärluft und Sekundärluft ganz auf.
- Nach 10 bis 15 Minuten, wenn das Feuer trägt: Primärluft zu.
- Im Betrieb: nur noch über die Sekundärluft regeln. Die Flamme soll lebhaft bleiben, nicht kriechen.
- Nachlegen: kurz beide öffnen, bis das neue Scheit brennt, dann wieder wie unter Punkt 3.
- Am Ende: erst schließen, wenn keine Flamme mehr da ist und die Glut durch ist — sonst sammelt sich Kohlenmonoxid im Raum.
Woran man die richtige Einstellung erkennt
Sie brauchen kein Thermometer, nur den Blick durch die Scheibe:
| Helle, lebhafte Flammen | richtig eingestellt |
| Dunkelorange, träge, kriechend | zu wenig Luft — Sekundärluft öffnen |
| Sehr hohe, rauschende Flammen | zu viel Luft, das Holz brennt zu schnell ab |
| Scheibe wird schnell schwarz | zu wenig Luft oder zu feuchtes Holz |
| Rauch beim Türöffnen | zu wenig Zug, nicht zu wenig Luft |
Der häufigste Fehler: sparen wollen
Viele drosseln die Luft, um Holz zu strecken. Das Gegenteil passiert: Bei Sauerstoffmangel verbrennen die Holzgase nicht mehr, sondern ziehen unverbrannt in den Schornstein. Der Wirkungsgrad sinkt, die Scheibe rußt, und im Schornstein setzt sich Glanzruß ab — der ist im schlimmsten Fall Auslöser eines Schornsteinbrands.
Regeln Sie über die Holzmenge, nicht über die Luft. Weniger Wärme heißt: ein Scheit statt zwei, nicht denselben Stapel mit halber Luft.
Wenn der Ofen nur einen Regler hat
Manche Öfen — vor allem kleinere und neuere — haben einen einzigen Hebel, der Primär- und Sekundärluft gemeinsam steuert. Dann gilt: beim Anzünden ganz auf, nach zehn bis fünfzehn Minuten auf etwa zwei Drittel bis die Hälfte zurück, und nicht weiter.
Bei Öfen mit automatischer Verbrennungsluftregelung übernimmt eine Mechanik oder Elektronik das Zurückstellen. Dort greift man am besten gar nicht ein.
Die Anleitung schlägt diesen Text
Öfen unterscheiden sich. Manche haben nur einen Regler, manche eine automatische Regelung, und die Beschriftung ist nicht einheitlich. Wenn die Bedienungsanleitung etwas anderes sagt als dieser Beitrag, gilt die Anleitung.
Kurz zusammengefasst
- Primär = anzünden, danach zu.
- Sekundär = betreiben, nie ganz zudrehen.
- Tertiär = nachverbrennen, meist fest eingestellt.
- Helle lebhafte Flammen sind das Zeichen für die richtige Einstellung.
- Nicht über die Luft sparen, sondern über die Holzmenge.
Wie man richtig anzündet, steht in Kamin anzünden: von oben statt von unten. Warum die Scheibe trotz richtiger Einstellung schwarz werden kann, in Warum rußt meine Kaminscheibe? Und zum Schüren und Nachlegen gibt es das passende Kaminbesteck.
Häufige Fragen
Wann schließt man die Primärluft?
Nach etwa zehn bis fünfzehn Minuten, sobald das Holz durchgehend brennt. Bleibt sie offen, brennt das Holz zu schnell ab, die Wärme geht durch den Schornstein, und der Ofen kann überhitzen.
Was macht die Sekundärluft?
Sie strömt oben an der Innenseite der Scheibe herunter, hält das Glas frei und liefert den Sauerstoff für die Verbrennung der Holzgase. Über sie wird das Feuer im laufenden Betrieb geregelt.
Darf man die Luftzufuhr ganz schließen?
Nicht, solange Flammen brennen. Bei Sauerstoffmangel schwelt der Ofen, es rußt, der Wirkungsgrad sinkt und es kann Kohlenmonoxid entstehen. Erst schließen, wenn keine Flamme mehr da ist und die Glut durch ist.
Woran erkenne ich, dass die Luft richtig eingestellt ist?
An hellen, lebhaften Flammen. Dunkelorange und träge heißt zu wenig Luft, sehr hohe rauschende Flammen heißen zu viel. Eine schnell schwarz werdende Scheibe deutet auf zu wenig Luft oder zu feuchtes Holz.
Was ist Tertiärluft?
Ein dritter Luftstrom im hinteren oberen Brennraum, der noch unverbrannte Holzgase nachverbrennt. Das erhöht den Wirkungsgrad und senkt die Emissionen. Bei vielen Öfen ist er fest eingestellt und nicht regelbar.